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You can´t evict a movement!

Seit 2012 besetzen Geflüchtete in Berlin Dächer, Plätze, Schulen oder den Fernsehturm. Warum? Um für ihre Forderungen nach Abschaffung der Lager und der Residenzpflicht und dem Stop aller Abschiebungen zu kämpfen.

Nach dem Selbstmord des Geflüchteten Mohammed Rahsepar in Würzburg im Januar 2012 organisierten sich bundesweit verschiedene Geflüchtete. Im September starteten die Geflüchteten in Würzburg und erreichten im Oktober Berlin, wo sie den Oranienplatz in Kreuzberg besetzten und Zelte aufbauten.

Im November 2012 starteten einige der Geflücheten einen Hungerstreik vor dem Brandenburger Tor. Im Dezember 2012 besetzten Geflüchtete zusammen mit Aktivist_innen die seit 10 Jahren leerstehende Gerhart-Hauptmann-Schule in der Ohlauer Straße und schafften Schlafplätze für Geflüchtete und ein soziales Zentrum namens Irving-Zola-Haus im Flachbau vor der Schule. Die Geflüchteten und Aktivist_innen organisierten zahlreiche Demonstrationen mit bis zu 7000 Teilnehmer_innen, regelmäßige Plena und Workshops, bundesweite Mobilisierungsbustouren, ein Tribunal auf dem Mariannenplatz, Kundgebungen vor Botschaften aus Nigeria, Sudan, dem Tschad oder der europäischen Kommission am Pariser Platz.

Das selbstbewusste Auftreten der Geflüchteten und ihre zahlreichen Aktionen führten dazu, dass die Belange der Geflüchteten zunehmend in den Medien thematisiert wurden. Zahlreiche Geflüchtete des Oranienplatzes wurden von Journalist_innen interviewt. Sie kreierten einen eigenen Blog asylstrike.wordpress// oplatz.net und nutzen diese Plattform für eigene Perspektiven und Klarstellungen. Als Innensenator Frank Henkel und die Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann die Räumung des Oranienplatzes androhten, stürmten sie die Bezirksverordnetenversammlung in Kreuzberg.

Im Folgenden kam es zu Verhandlungen mit Dilek Kolat, der Senatorin für Arbeit, Frauen und Integration. Die Verhandlungsgruppe wurde gespalten und einige Geflüchtete wurden dazu bewegt, sich an der Räumung des Oranienplatzes im April 2014 zu beteiligen. Im Gegenzug wurden Unterkünfte und ein Abschiebestopp versprochen. Die Unterkünfte waren kurzfristig und einige der Geflüchteten bekamen trotzdem später einen Abschiebebescheid. Deswegen wurde das Dach der provisorischen Unterkunft in der Gürtelstraße in Friedrichshain besetzt wurde. Einen Tag nach der Räumung des Oranienplatzes wurde 5 Tage lang ein Baum auf dem Oranienplatz besetzt. In Solidarität traten Geflüchtete in einen Hungerstreik.

Im Mai und Juni 2014 machten viele Geflüchtete einen Protestmarsch von Straßburg nach Brüssel um die Probleme der zunehmenden Abschottung an den Außengrenzen Europas sichtbar zu machen.

Im Juni 2014 kam es zu einer Androhung der Räumung der besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule, woraufhin Geflüchtete das Dach der Schule besetzten. Unter dem Motto „You can´t evict a movement“ kam es zu Demos, Flyern, Songtexten, Plakaten und Solidarität auf der Straße, da der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg das Gebiet rund um die Ohlauer Str. tagelang sperren ließ.
Im Jahr 2014 besetzte die Gruppe Asylum rights evolution den Berliner Fernsehturm und das DGB-Haus am Wittenbergplatz und eine Gruppe von Refugees besetzte die Thomaskirche am Mariannenplatz.

Rund um den Oranienplatz und die Gerhart-Hauptmann-Schule bildeten sich zahlreiche Gruppen und Bündnisse wie der International Women Space , African Refugees Union, Tchad Youth, „come together“, „My right is your right“, „Refugee Schul-und Unistreik“, „United Neighbours“, „Bündnis für bedingungsloses Bleiberecht“. Außerdem wurde die Zeitschrift „Movement“ herausgegeben und eine wachsende Wanderausstellung „We will rise“ kreiert.

Das Bündnis für bedingungsloses Bleiberecht veranstaltete im April 2015 ein Konzert auf dem Oranienplatz, um auf die in Deutschland geplante Asylrechtsverschärfung hinzuweisen und Protest zu mobilisieren. Nachdem im September 2015 viele syrische Geflüchtete nach Deutschland kamen, wurde versucht, ein ehemaliges Gebäude der Technischen Universität zu besetzten.