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Wir stören gerne

Stören, blockieren, besetzen, unangemeldet demonstrieren. Das alles ist nicht legal, aber angesichts der Machtverhältnisse legitim – und manchmal auch erfolgreich.

Im März 2012 sollte das BMW Guggenheim Lab auf der Cuvrybrache in Berlin-Kreuzberg stattfinden. Laut Selbstdarstellung ein „Forschungslaboratorium“ zum Thema „urbanes Leben und Wohnen in der Zukunft“. In Wirklichkeit eine Werbeveranstaltung von BMW. „ …mit dem BMW Guggenheim Lab, möchten wir jene ansprechen, die heute vielleicht noch keine besondere Affinität zur Marke BMW haben…“ so der Marketingchef der Automobilfirma, deren Eigentümerfamilie Quandt zu den reichsten Deutschlands gehört.

Presse und Politik waren voll der Lobhudelei. Das es beim BMW Lab um Werbung ging und bereits jahrelang über Wohnen, steigende Mieten, Verdrängung und was man dagegen tun kann, diskutiert wurde­ – woher sollten Presse und Politik das wissen? Kein Wunder, daß sie dann hysterisch wurden als das BMW-Lab sich aus Kreuzberg zurück zog. Einige Anwohner_innen hatten bei der ersten Veranstaltung zur Vorstellung des Lab unmissverständlich klargemacht, dass sie es nicht wollen. Als das BMW Lab dann in Prenzlauer Berg stattfand, wurde offensichtlich welch lächerliches Niveau die Veranstaltungen hatten.

Die Verhinderung des BMW Labs ist ein gutes Beispiel, sich nicht auf einen ungleichen Diskurs einzulassen und nicht der Demokratiesimulation auf den Leim zu gehen, sondern selbtbewußt mit einer direkten Aktion dagegen zu halten. Das Stören von Veranstaltungen ist relativ unaufwändig, einige Recherche im Vorfeld nützlich. Es braucht nicht viele Leute und der Unterhaltungswert ist hoch. So z.B. bei der Infoveranstaltung des Investors zur Bebauung der Cuvrybrache. Auch die Jubelfeier zum Sanierungsgebiet Teutoburger Platz wurde um eine politische Performance bereichert..

In einer ähnliche Liga wie gestörte Veranstaltungen spielen sogenannte Mietenpartys. Dabei werden Immobilienmakler_innen bei der Wohnungsbesichtigung gestört und verstört. Die sogenannte „Lange Nacht der Wohnungsbesichtigungen“ eines Immobiliendienstleisters wollte Wohnungsbesichtigungen zum Event machen. Das ging allerdings auf Grund massiver Proteste nach hinten los und wurde seitdem auch nicht wiederholt.

Sind diese Formen direkter Aktion noch ungefährlich, kommt es bei Blockaden, Besetzungen und unangemeldeten Demonstrationen immer wieder zu Polizeieinsätzen. Dies gefährdet vor allem unerfahrene Teilnehmer_innen, die die Gewalttätigkeit der Polizei und die juristischen Folgen nicht einschätzen können. Aber gut vorbereitete Aktionen lassen niemanden allein. Sie sind solidarisch bis zur Prozeßbegleitung.

Besetzungen sind ein gutes Mittel sowohl die Eigentumsfrage wie auch Skandale, wie die der privatisierten öffentlichen Häuser (GSW23), zu thematisieren. Aktionen wie Fang den Bus bei der der Ausflugsbus einer Immobilientagung mehrere Stunden blockiert wurde fanden sogar in der Immobilienzeitung ihren Niederschlag.: „…Mit „bitte nicht mehr fotografieren, die Vorhänge zuziehen und nicht provozieren“ verschoben sich Machtverhältnisse….Vom Verlassen des Busses wurde Anzugsträgern dringend abgeraten…Die Stimmung war zum Teufel.“

Viele dieser Aktionen erfahren große Sympathien und Zustimmung. Denn viele Leute sind unzufrieden mit Demonstrationen und ähnlichen Politikformen, die als Einhegung des Protests in ritualisierte Formen verstanden werden. Für die Teilnehmenden bedeuten direkte Aktionen das Überwinden der Ohnmacht. Gemeinsames handeln gibt einen Geschmack davon, wie es ist, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen.