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Urbane Kämpfe der Migration und städtische Migrationspolitik

Stadtpolitik hat immer ein wichtiges affektives Mittel zur versuchten Steuerung der Migration dargestellt. Als der Anwerbestopp 1973 nicht genug war, um die Migration zu stoppen, wurde die Stadtpolitik als ‚Panik-Maschinerie‘ aktiviert. Eine Folge davon war die Zuzugssperre, die der Berliner Senat 1975 in Kraft setzte und die daraufhin auch eine Vorreiterrolle für andere Länder gespielt hat.

Nach dieser Sperre durften Migrant_innen aus Nicht-EG Ländern nicht mehr in den Tiergarten oder nach Wedding und Kreuzberg umziehen. Zum Beispiel durfte sich ein neu einreisendes Familienmitglied nicht mehr in der Wohnung der Eltern in Kreuzberg anmelden. Es musste entweder allein außerhalb dieser drei Bezirke wohnen oder die ganze Familie musste eine neue Wohnung außerhalb dieser drei Bezirke suchen, was durch Rassismus am Wohnungsmarkt fast ausgeschlossen war. Die Zuzugssperre stellte damit eine Art indirekter Abschiebepolitik dar, weil die Leute, die sich nicht anmelden konnten keinen Aufenthaltsstatus bekamen. Neben langjährigen rechtlichen Kämpfen gegen diese menschenunwürdige Sperre sind Migrant_innen auch strategisch damit umgegangen, z.B. durch Scheinanmeldungen. Eine Broschüre die vom damaligen Ausländer-Komitee herausgegeben wurde dokumentiert diese Kämpfe.

Migrantische Kämpfe um die Stadt waren noch mehr als Selbsthilfe-Projekte und Hausbesetzungen. Die kleinen migrantischen Gewerbetreibenden haben leerstehende Läden und damit auch die Nachbarschaft wieder (neu) belebt und boten eine Alternative zu Supermärkten. Die Migrant_innen, die so lange wie möglich die heruntergekommenen Häuser nicht verließen, haben damit oftmals den Abriss verhindert. Sie haben die Funktion von öffentlichen Räumen transformiert. Sie haben viel gearbeitet, aber auch gelebt und gekämpft. Vor allem waren die Migrantinnen eine entscheidende Zugkraft in den Kämpfen um die Stadt. Ihre Geschichten sind unter jedem Pflasterstein dieser Stadt zu finden.