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Migrantische Hausbesetzung: Forster Str. 16/17

Migrantische Hausbesetzungen erfolgten in Berlin im Kontext der ersten großen Hausbesetzungsbewegung in den Jahren 1979-1984 mit insgesamt über 220 Hausbesetzungen. Deren größte Ausdehnung und politische Stärke manifestierte sich besonders in den Jahren 1980/81 mit 170 gleichzeitig besetzten Häusern und bis zu 5000 in den Häusern (inklusive Hinterhäusern, Seitenflügeln, Remisen usw.) lebenden Menschen sowie Großdemonstrationen bis zu 25.000 Personen. Die Vielfalt der Besetzungsbewegung vereinte unterschiedliche soziale Bewegungen und politische Strömungen von FrauenLesben-Bewegung, Anti-AKW und Ökologie-Bewegten zu hin zu Antiimps, Autonomen, Punks, Nicaragua-Brigadistas und Migrant_innen.

Das erste von Migrant_innen besetze Haus in West-Berlin war die Forster Str. 16-17 im November 1980. Die türkisch-kurdischen Migrant_innen lebten zum Teil mit großen Familien in einem Haus in der Forster Str. 18, in kleinen heruntergekommenen Wohnungen und engen Verhältnissen – neunundzwanzig Familien mit insgesamt fünfzig Kindern – als die Häuser nebenan, Nummer 16-17, für einen geplanten Abriss entmietet wurden. Nach Gesprächen mit dem Mieterblock 145 sind die Migrant_innen und Unterstützer_innen in einer Nacht mit Kerzen über den Hinterhof ins Haus gekommen und haben das Haus besetzt. Daraufhin sind sie als große Gruppe zum Bürgeramt gelaufen, wo sie einen vorläufigen Mietvertrag abgeschlossen haben.

Nachdem sie die Wohnungen einigermaßen in Selbsthilfe saniert hatten, eröffneten sie im Oktober 1981 einen Schülerladen. Eine alevitische Mitbesetzerin, die bei der Mobilisierung der Bewohner für die Hausbesetzung eine zentrale Rolle gespielt hatte, gab ihren besser bezahlten Job als Fabrikarbeiterin auf und fing an als Erzieherin in der selbstverwalteten, zwei-sprachigen, türkisch-deutschen Kita zu arbeiten. Mit den Kindern und Festen sowie den Frühstücken, die sie auf der Straße organisierten, haben die Bewohner_innen viel Nachbarschaftsarbeit geleistet, um die unsichtbare Grenze in der Stadt, die die deutschen und migrantischen Lebensräume trennte, zu durchbrechen. Heute leben noch einige migrantische Mitbesetzer im Haus – sie haben noch immer einen befristeten Vertrag mit dem Senat, der nächstes Jahr endet. Die Leute hoffen auf eine Verlängerung des Vertrags und haben Angst vor einem Verkauf an einen privaten Investor.