Skip to content

Kurzzeitige Hausgemeinschaften: Oppelner 27 und Lausitzer 22

Das erste Selbsthilfeprojekt in einem Haus, das überwiegend von Migranten bewohnt war und von der IBA betreut wurde, war die Oppelner Straße 27. In diesem Haus waren noch vierzehn türkische, deutsche und griechische Mietparteien verblieben, die sich gegen ihre Entmietung wehrten. Im November 1980 sind zwei Frauen und zwei Männer, darunter eine Griechin, im Namen aller Mieter des Hauses in einen Hungerstreik getreten. Nach einigen Tagen waren sie soweit erfolgreich, dass das Haus vom dem als ‚Spekulant‘ bekannten Eigentümer an die städtische GSW verkauft wurde.

Das Projekt scheiterte jedoch schließlich nach langen Diskussionen. In einem Beitrag der IBA werden die unterschiedlichen Wohnvorstellungen von deutschen und türkischen Mietern als zentraler Grund für dieses Scheitern angegeben: „Zwei deutsche Mietparteien, die das Projekt im Wesentlichen tragen, drängen auf schnelle Verwirklichung, haben klare Vorstellungen und Interessen, während der größte Teil der Ausländer noch unsicher ist.“
Anstatt Dominanzverhältnisse zu kritisieren, heißt es hier, dass die Migrant_innen kein Interesse an neuen Wohn- und Lebensformen hätten, sich lieber abschotten würden, an der gescheiterten Zusammenarbeit die Migrant_innen selbst, ihre Männer, ihre Kultur schuld sei. Diese paternalistische Haltung ist auch in der Analyse von erfolgreichen Beispielen zu finden: Wenn die Migrant_innen unter sich sind (also sich abschotten), dann klappt es mit dem Selbsthilfeprojekt.

Auch andere Projekte haben leider eine kurze Lebenszeit gehabt wie das geplante erste „deutsch-türkische Gemeinschaftsprojekt“, genannt Lausehaus, in der Lausitzer Str. 22. Das vor der besetzten ‚Regenbogenfabrik‘ liegende und leerstehende Haus wurde, „um das angestrebte Ziel zu erreichen und um die Verhältnisse nicht eskalieren zu lassen“, nicht besetzt, sondern für eine geplante Instandsetzung von einer Selbsthilfegruppe aus türkisch-deutschen Familien‚ die dort eine offene und familiäre Hausgemeinschaft anstrebten, „provisorisch geschützt“. Entgegen der Versprechungen wurde das Haus allerdings im August 1983 geräumt und zerstört.

Auch nach 1989, dem Fall der Mauer und der Entstehung der zweiten großen Hausbesetzungsbewegung existierten besetzte Räume von Migrant_innen, Refugees und People of Colour, wie beispielsweise Anfang der Neunziger ein gesamter Seitenflügel der Brunnenstraße 7 oder die inzwischen geräumten Häuser Linienstraße 158 und 159 in Berlin Mitte. Dazu zählen auch die Besetzungen in neuerer Zeit, wie der Oranienplatz (2012-2014), das seit Dezember 2012 besetzte und teilgeräumte Refugee Strike House in der Ohlauerstraße 12, die geräumte Eisfabrik in der Köpenicker Straße (2011-2013) und die ebenfalls geräumte Cuvrybrache in der Cuvrystraße (2012-2014) sowie das noch existente Teepee-Land in der Köpenickerstraße (seit 2012), um nur einige Beipiele zu nennen. Ddarüber hinaus gibt es heutzutage in vielen nun legalisierten ex-besetzten Häusern und Hausprojekten Soli-Zimmer und Etagen für geflüchtete und migrierte Personen.