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Das ist unser Haus, ihr kriegt uns hier nicht raus!

Ihr Haus wurde verkauft. Das ist meistens keine gute Nachricht. Denn wer ein Haus kauft, will damit Profit machen, soviel wie möglich. Bezahlen sollen die Mieter_innen. Da gibts nur eins: sich im Haus zusammentun. Denn solidarische Hausgemeinschaften sind eine Verwertungsbremse.

Forster 8, Fulda/Weichsel, Taekker-Häuser, Reiche 114, Linie206, Wax 34, Gleim 52, Kopenhagener 46, Friedel 54, Palisadenpanther, Häuser am Steinberg, Heidelbergerstraße, Skalitzer 142, Schönlein 4, Admiral 18. Um nur einige zu nennen.

Die Leute in den Häusern kennen sich oft nicht, oder nur vom „Hallo“ auf der Treppe. Jetzt wehren sie sich gemeinsam gegen Modernisierung, Mieterhöhung oder Umwandlung in Eigentumswohnungen. Obwohl der Anlass alles andere als angenehm ist, finden viele es schön, daß man sich kennenlernt.

Die Häuser sind ganz unterschiedlich. Ehemals besetzte Häuser, wie die Linie206 oder die Wax34 mit viel widerständiger Erfahrung. Die Palisadenpanther und die Häuser am Steinberg, in denen sich Rentner_innen wehren, die über 100 Taekker-Häuser oder die genossenschaftlichen Häuser der Heidelbergerstraße.

Auch die Eigentümer_innen sind unterschiedlich. Da gibt es die, die es mit allen rechtlichen Möglichkeiten versuchen. Dann die mit dem sanften Druck, der Überredung und Überrumpelung. Andere wollen die Mieter_innen möglichst billig rauskaufen und wissen auf einer Baustelle ist schwer leben. Und dann gibt es die ganz Skrupellosen. Wie z.B. Sascha Klupp, laut Berliner Kurier ein „Brutalsanierer“, oder die Christmann-Unternehmensgruppe, Eigentümerin der Kopenhagener 46.

Zahlreiche Presseartikel, Blogs und der Film „Betongold“ zeigen, dass den Klupps und Christmanns nahezu jedes Mittel recht ist, um die Mieter_innen rauszukriegen und Profit zu machen. Es gibt die Ankündigung horrender Mieterhöhungen nach der Modernisierung, monatelang Bauplanen vor den Fenstern, Wasserschäden, Drohanrufe, Anschwärzen beim JobCenter bis hin zu einem ungeklärten Brandanschlag. Das ist für die Mieter_innen schwer auszuhalten. Hier ist die Solidarität der Nachbarschaft eine große Hilfe. Aber auch diesen Eigentümer_innen dürften Öffentlichkeit, verlorene Prozesse und Verzögerungen nicht gerade angenehm sein.

Öffentlichkeit und die konsequente Ausschöpfung der Mieterrechte führen oft zu Zugeständnissen der Eigentümer_innen. Verzögerungen bei Modernisierungsvorhaben können bei knapper Kalkulation die Kredite schnell ins Trudeln bringen. Auch gemeinsam Kaufinteressenten zu empfangen, wirkt auf diese nicht gerade einladend. Ganz zu schweigen von den 13, in einer Nacht demolierten, Autos des Immobilienunternehmens Taekker.

Was macht eigentlich die Politik bei diesen ganzen Schweinereien? Bei kleineren nichts, das Recht an Eigentum und Profit steht über allem. Zuletzt wurde mit dem Mietrechtsänderungsgesetz die Durchführung mietpreistreibender energetischer Modernisierungen erheblich vereinfacht. Ansonsten gibt es noch das Baurecht, das sich aber bei Eigentümer_innen mit gewieften Anwälten als stumpfe Waffe erweist. Da bleibt nur was die Leute in den Häusern bereits machen: sich selber organisieren. Ein Vertreter der Berliner Mietergemeinschaft, die Treffen von Hausgemeinschaften organisiert und rechtlich unterstützt, meint: „Sich organisieren und sich gemeinsam wehren hat für alle Mieter_innen im Haus Vorteile. Diese haben in der Regel zwar ganz verschiedene Interessen und finanzielle Möglichkeiten, dennoch gilt: egal ob Mieter_innen die Wohnung kaufen, eine Abfindung annehmen oder bleiben wollen. Gegenüber Investor_innen haben gemeinsam agierende Hausgemeinschaften einfach eine bessere Ausgangslage.“