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„Da sieht man ja, wie das jetzt hier aussieht…“

Die Gentrifizierung ist in Mitte und Prenzlauer Berg rasant schnell vonstatten gegangen, auch in Friedrichshain gibt es inzwischen zahlreiche Luxuswohnprojekte und Eigentumswohnungen. Trotzdem ist besonders durch die verschiedenen Projekte das Kiezgefühl und der Widerstand nicht ganz verschwunden. „Aber wir konnten der Entwicklung politisch auch nicht wirklich viel entgegen setzen, außer vielleicht die Projekte, die wir hatten, zu sichern. Das das sieht man ja jetzt auch, wie es hier jetzt aussieht“, sagt einer der ehemaligen Bewohner der Brunnenstraße 6/7.

Bis heute gibt es Hausprojekte aus der Zeit der Hausbesetzungen in Ostberlin, die Teil der linksradikalen Szene sind, in denen es Küche für alle, Buchläden, Cafés und Kneipen gibt, und die für ihren Erhalt weiter kämpfen:

Die Brunnenstaße 6/7 in Berlin-Mitte führt seit dem Herbst 2014 Mietauseinandersetzungen mit der Westberliner Vermieterfamilie Gawehn. Obwohl in den Mietverträgen festgelegt worden war, dass nach der für die Zeit nach der Sanierung festgelegten Staffelmiete weiter Mieterhöhungen ausgeschlossen sind, will der Vermieter mehr Geld. Zuletzt hatte es Verhandlungen im Amtsgericht Mitte gegeben, das die Klage der Vermieter auf Mieterhöhung zurückgewiesen hatte. Das Landgericht Mitte ließ es gar nicht erst zur Verhandlung kommen und wies die Klage im Oktober 2015 als „offensichtlich unbegründet“ zurück.“ Damit stehen die Chancen für den langfristigen Erhalt des Hauses nicht schlecht.

Die Linienstraße 206 wurde in den vergangenen Jahren unzählige Male an Spekulanten verkauft, die versuchten mit dem Haus Profit zu machen. Hatte der erste Neubesitzer nach der Rückübertragung an eine Erbengemeinschaft noch rund 600.000 DM bezahlt, zahlte der nächste 2008 schon 430.000 Euro. 2010 kauften die jetzigen Eigentümer, die Lippert und Wadler GbR, das Haus für 600.000 €. Der Preis für die Linie206 hat sich also in den vergangenen zwölf Jahren faktisch verdoppelt, ohne dass irgendeiner der Besitzer in das Haus investiert oder sich auch nur um den Erhalt gekümmert hat. Zweimal haben die Bewohner_innen bereits versucht, das Haus zu erwerben und somit endlich, wie bei der Besetzung 1990 gedacht, dem Immobilienmarkt dauerhaft zu entziehen. Beide Male verkauften die Eigentümer_innen kurz vor einer Einigung an andere Interessenten. Bisher hat jedoch der Widerstand der Bewohner_innen und ihrer Freund_innen und Sympathisant_innen ein Ende des Projekts verhindert.

Die Rigaer Straße 94 in Berlin Friedrichshain wurde im März 1992 durch einen Rahmenvertrag und Einzelmietverträge mit der Wohnungsbaugesellschaft Friedrichshain legalisiert. Nach mehreren Besitzern und dem Versuch der Bewohner_innen, das Haus selbst genossenschaftlich zu kaufen, wurde das Haus im September 2000 an Suitbert Beulker verkauft, der sich in keinster Weise für den Erhalt des Projektes interessierte. Im Gegenteil, im Januar 2001 schickt er fristlose Kündigung aller Mietverträge und will am liebsten sofort räumen. In den folgenden Jahren wechseln sich Räumungsklagen, Polizeieinsätze und Wiederbesetzungen ab. Seit die Bewohner_innen Ende 2013 den Versuch Beukers ablehnten, das Haus durch einen Verkauf an die Edith-Marion-Stiftung zu legalisieren, gehört die Rigaer Straße 94 der Lafone investment limited, einer Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln.